Schulprojekt über Mira Lobe in der Donaustadt

Das „Mira-Lobe-Jahr 2003“ (im September 2003 wäre die Autorin neunzig Jahre alt geworden) wirft seine ersten Schatten voraus - und Schatten können etwas Helles, Freundliches sein: Vom 11. bis zum 13. November wurde in der Volksschule Mira-Lobe-Weg in Wien 22 ein großes Projekt über die Verfasserin des „Kleinen Ich-Bin-Ich“ und der „Omama im Apfelbaum“ veranstaltet.

Ursprünglich gingen die Kinder vom Rennbahnweg in der Lieblgasse zur Schule. Auf Initiative von Frau Helga Stary, die bis 2001 Direktorin war, kam es zur Namensänderung in Mira-Lobe-Weg. Leiberln mit dem aufgedruckten „Ich-bin-Ich“ (von einer Schülerin entworfen) wurden hergestellt und zum Verkauf angeboten. In Deutschland gibt es zahlreiche Lindgren- und Pestalozzi-Schulen - was liegt also näher, als sich in Österreich an einer der bedeutendsten Kinder- und Jugendbuchautorinnen des Landes als humanistischem Maßstab zu orientieren?

Unter Frau Direktor Ingeborg Pinc wurde nun ein großangelegtes Mira-Lobe-Projekt geplant. Dies brachte einen ungeheuren Arbeits- und Organisationsaufwand mit sich, der nur durch den unglaublichen persönlichen Einsatz von Frau Christine Zangl bewältigt werden konnte. Kontakte mussten geknüpft, Kolleginnen motiviert, viele Vorbereitungen getroffen werden. Frau Elisabeth Mazakarini unterstützte ihre Kollegin dabei, so gut es ging.

Schließlich gelang es Frau Zangl sogar, die Kinder Mira Lobes, Frau Claudia Lobe und Herrn Dr. Reinhardt Lobe, als Gäste zu gewinnen. Claudia Lobe reiste extra aus München an, um gemeinsam mit der Illustratorin vieler Lobe-Bücher, Frau Angelika Kaufmann, zwei Tage lang die Texte ihrer Mutter mit zahlreichen Schulklassen zu erarbeiten, etwa „Zwei Elefanten, die sich gut kannten“. Es war erstaunlich zu beobachten, mit welcher Begeisterung die Volksschüler mittaten.

Am 13. November wurde schließlich das Projekt zum Thema „Das Leben und Schaffen Mira Lobes“ der Öffentlichkeit präsentiert: In der Aula hatte man eine kleine Ausstellung über das ereignisreiche Leben der Autorin gestaltet, die Kinder hatten Figuren aus den Büchern Mira Lobes gezeichnet oder gebastelt und damit die Wände geschmückt. Viele Lehrerinnen hatten sich von der Begeisterung der Organisatorinnen anstecken lassen und kleine szenische Aufführungen, Lieder und Gedichte mit ihren Kindern vorbereitet. Ein Schattenspiel mit Kasperl und Hexe, die musikalische Umsetzung von „Valerie und die Gute-Nacht-Schaukel“ oder ein flotter „Komm, sagte die Katze“-Rap waren nur einige Höhepunkte des eineinhalbstündigen Programms. Die Gäste, darunter der Illustrator Winfried Opgenoorth, vor allem aber die Kinder unterhielten sich bestens. Dr. Reinhardt Lobe meinte abschließend, seine Mutter wäre sehr glücklich darüber, mit welcher Freude die Kinder heute noch ihre Bücher lesen. Dr. Lobe verwies auch auf die Mira-Lobe-Website im Internet, die zukünftig erweitert wird (www.miralobe.at).

Fachleute, Forscher und Verlagsleute denken immer wieder darüber nach, was wohl einen Kinderbuchautor oder eines seiner Werke zum „Klassiker“ macht, welche Merkmale und Hinweise es da gebe. Wenn man zweihundert Kinder (und wohl nicht nur die „bravsten“) einmütig das Lied von Mira Lobes „Kleinem Ich-Bin-Ich“ singen hört - Kinder, die zum Teil erst nach dem Ableben der Autorin geboren sind - , hat man möglicherweise einen solchen Hinweis gefunden. Vielleicht den wichtigsten.

Ein Projekt der VS Mira-Lobe-Weg, 1220 Wien
erschienen in: libri liberorum Heft 10 / Dezember 2002 (Jg. 3)
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